Psychotherapie

Neurodermitis-Patienten, die psychisch sehr stark belastet sind, sollten unbedingt psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen ist eine Psychotherapie unumgänglich. Dies ergab eine Studie, die Prof. Dr. med. Uwe Gieler schon im Jahr 1990 durchführte. 

Dass ich im Alltag enorm belastet war ist kein Geheimnis. Es fiel mir unheimlich schwer Aufgaben abzugeben, um Hilfe zu bitten und mir Zeit für mich zu nehmen. Im Gegenteil, ich bürdete mich immer mehr auf und noch mehr und noch mehr. Ich war nur noch im ich-muss-funktionieren-Modus, was über kurz oder lang natürlich nicht nur körperlich, sondern auch seelisch sehr belastend war. Ganz zu Schweigen von dem jahrelangen "Psychoterror" ausgehend von der Ex-Partnerin meines Ehemannes, welchen ich noch fast täglich ertragen musste. Hierüber berichtete ich bereits ausführlich im Kapitel positive Glaubenssätze.

Die Nerven lagen irgendwann blank und eine positive Lebenseinstellung war kaum mehr möglich. Das kann sich wahrlich nicht positiv auf die Gesundheit auswirken. Innere Wut, Frust, Gefühle der Hilf- und Machtlosigkeit, die sich daraus über die Jahre hinweg entwickelten, veränderte mein Wesen. Ich war irgendwann nicht mehr ich selbst. Doch zu meinem Glück (und dem meiner Familie) erkannte ich dies rechtzeitig, zumindest so rechtzeitig, um mich davor zu schützen, mich selbst komplett zu zerstören. Ich entschied ich mich für eine Psychotherapie.

Über Monate hinweg wurde meine vollständige Biographie er- und aufgearbeitet.

Ich war mehr als erstaunt, was da alles ans Licht kam. Es war unbeschreiblich, wie viel ich aus meiner Kindheit vollständig vergessen oder gar verdrängt hatte. So vieles fiel mir plötzlich wie Schuppen von den Augen, die einzelnen Puzzle-Teile fügten sich zusammen und ich konnte ein "großes Ganzes" erkennen. Diese Erkenntnis war im Übrigen mit sehr viel schmerzhafter Selbstreflexion verbunden. Der anstrengendste und wichtigste Teil der Psychotherapie. All meine negativen Gedanken und Gefühle ergaben (leider) einen Sinn. Ich erkannte meine Chance, mich endlich selbst zu verstehen und ich begann mein vergangenes (teils auch nicht sehr schönes) Verhalten, meine Gefühle und Gedanken wirklich nachzuvollziehen. Bis zu diesem Zeitpunkt zweifelte ich inzwischen komplett an mir und fragte mich zu oft, ob ich psychisch noch gesund war. Denn wer so böse und schlimme Gedanken hatte wie ich und oft blind vor Wut und anderer negativer Gefühle um sich geschlagen hat, konnte doch nicht normal sein! Meine glückliche Erkenntnis nach der Psychotherapie: Ja, war ich! Ich hatte zu viele "falsche" Glaubenssätze und Wertvorstellungen aus meiner Kindheit und Jugend so tief verinnerlicht, dass diese immer wieder unbewusst hervortraten und mein "Erwachsenen-Ich" negativ beeinflussten. Mein inneres Kind, welches in der Kindheit sehr viel durchmachen musste, kam immer häufiger zum Vorschein und wollte Aufmerksamkeit und hatte ständig das Bedürfnis sich zu beweisen, zu rechtfertigen und nach Anerkennung zu gieren. Um jeden Preis, irgendwie. Um dies detaillierter nachvollziehen zu können, empfehle ich dir wärmstens ein ganz wundervolles  Buch: Das Kind in Dir muss Heimat finden von Stefanie Stahl. 

Zurück zum Thema: So gelang es der Ex-Partnerin meines Ehemannes jahrelang, durch meine negativen verankerten Glaubenssätze, mich "zu packen".

Sie drückte immer haargenau die richtigen Knöpfe, wie ich es zuvor bei noch keinem Menschen zuließ. Sie löste Gefühle aus meiner Kindheit in mir aus, die ich bisher erfolgreich verdrängt hatte. So ein Pech aber auch!

Heute bin ich dankbar für diese Begegnung und Erfahrung, denn ich habe erkannt, dass diese Frau, um es nach Robert Betz zu formulieren, mein wahrhaftiger Arsch-Engel war.

Die Zusammenkunft mit ihr und die darauffolgende Psychotherapie halfen mir dabei, meine Augen zu öffnen, mich wirklich intensiv mit mir und meiner Vergangenheit, beginnend im Kleinkindalter, auseinanderzusetzen und zu analysieren. Es half mir, zu verstehen, wieso ich früher so und nicht anders gedacht und gehandelt habe bzw. nicht anders handeln konnte.

Und diese Erkenntnis hilft mir heute, dass ich die Dinge anders, vielleicht besser, machen kann. Natürlich möchte ich hier nicht weiter meine persönliche Therapie vertiefen, doch ich möchte dir ans Herz legen und zeigen, wie wichtig es für die eigene Gesundheit ist, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen; die tief verankerten Verletzungen und negativen Glaubenssätze, welche nun mal meist im Kindesalter entstanden sind, herauszufinden und vollständig aufzuarbeiten. Das wird dein ganzes Leben verändern.

 

Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Für die Gefühle, die Gedanken, das Verhalten und vor allem für die eigene Gesundheit. Nur du allein bestimmst, wer du bist.

Ich konnte mich endlich selbst verstehen und die Vergangenheit los lassen.

Dies beinhaltete auch die Vergebung mir selbst gegenüber. Denn ich hatte in den letzten Jahren blind um mich geschlagen und meine Mitmenschen und mich selbst verbal sehr verletzt. Über die Wichtigkeit der Vergebung habe ich ein sehr interessantes Kapitel geschrieben. Vergebung ist ein unabdingbarer Prozess für die eigene innere Heilung.


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