Vergib deinen Mitmenschen

... weil du deinen inneren Frieden verdienst.

In den Kapiteln positive Glaubenssätze und Psychotherapie habe ich bereits beschrieben, wie ich es gelernt habe, durch die bewusste Umlenkung meiner Gedanken und Aufarbeitung alter falscher negativer Wertvorstellungen, meine negativen Gefühle in Positive zu verwandeln, mich selbst zu lieben und dadurch heute ein Leben in vollkommener Gesundheit zu genießen. Es ist inzwischen bewiesen, dass negative Gedanken negative Schwingungen auslösen, welche uns langfristig seelisch und auch körperlich krank machen. 

Ich erzählte bereits von der Ex-Partnerin meines Mannes, welche jahrelang meinen Alltag und mein ganzes Wesen negativ veränderte. Ich muss streng genommen schreiben: ICH hatte zugelassen, dass in mir negative Gedanken und Gefühle wachsen durften.

Und auch ich allein habe es zugelassen, dass sich mein Wesen sehr veränderte. Sie, die Ex-Partnerin, war im Grunde genommen der glückliche Auslöser (weswegen ich sie des öfteren detailliert erwähne), mich endlich mit mir, meiner Kindheit und meinem gesamten Leben auseinanderzusetzen. 

Ein wichtiger Teil meiner Auseinandersetzung bestand in der ehrlichen Vergebung.

Es war nicht zu verleugnen, dass ich, auch wenn ich es selbst zuließ, sehr viel ertragen und aushalten musste. Umgekehrt hatte ich selbst massiv ausgeteilt und war oft über mich selbst erschrocken (hierzu mehr im Kapitel Vergib dir selbst).

In meinen Augen war das Verhalten der Ex-Partnerin (offen gestanden auch das einiger anderer Mitmenschen, ganz besonders auch das meiner Eltern) wirklich krankhaft und angstauslösend und dadurch sehr schwer zu vergeben. Oder auch nicht?

Zu gegebener Zeit stellte ich fest, dass ich einzig und allein nur mir selbst damit schadete, wenn ich es nicht schaffte, der Ex-Partnerin und auch meinen anderen Mitmenschen ihr Verhalten endlich zu vergeben. 

Immer wieder würde ein nicht-vergeben-können mein Leben negativ beeinflussen, mögen meine restlichen Gedanken noch so positiv sein. Denn diese neuen positiven Wertvorstellungen bezogen sich vor allem auf MICH und nicht auf das Verhalten des "Anderen". Es war an der Zeit zu vergeben, um auch meine letzten negativen Gedanken und Gefühle endgültig loslassen zu können. Doch wie sollte ich einem Menschen vergeben können, der mir so viele schreckliche und eigentlich unverzeihliche Dinge angetan hat? Schließlich würde ich deren Verhalten damit ja gut heißen und deutlich machen, dass es nicht so schlimm für mich war.

Ich beschloss, mich in die Thematik der Vergebung einzulesen und stellte erleichtert fest, dass ich erst einmal gar nicht laut und persönlich vergeben musste.  Ich könnte der Ex-Partnerin und allen anderen Mitmenschen, mit denen ich noch nicht im Frieden lebte, folglich in Gedanken vergeben, ohne, dass sie es erfuhren.

VERGIB ANDEREN. NICHT WEIL SIE VERGEBUNG VERDIENEN, SONDERN WEIL DU DEINEN INNEREN FRIEDEN VERDIENST.

Ein stilles Vergeben klang schon vielversprechender. Doch blieb für mich immer noch die Frage, des WIE. Wie würde ich ihr (und z.B. auch meinen Eltern) vergeben, wo ich das Verhalten doch so gar nicht nachvollziehen konnte?

Da fiel mir ein bekannter Spruch ein: "Bevor du über mich oder mein Leben urteilst, ziehe meine Schuhe an und geh meinen Weg."

Ich schaute mir das Leben und die Vergangenheit der Ex-Partnerin genauer an, so gut wie es mir möglich war. Es gab eine Zeit, da fühlte ich mich tatsächlich wie eine kleine "Stalkerin", weil ich mich doch sehr intensiv mit ihr beschäftigte - doch es hatte seinen Grund und seinen Sinn, denn (zugegeben nach anfänglichen Schwierigkeiten): ich glaubte es selbst kaum: ich fing an, sie zu "verstehen".

Ich erkannte, warum sie mich so herabwerten musste, sich mir und meiner Familie gegenüber so verhalten hatte, wie sie es jahrelang tat. Sie war und ist eine Frau mit vielen negativen Glaubenssätzen (welch Überraschung!), völlig verquerer Wertvorstellungen und anderen belastenden Gefühlen. Das meiste kommt, wie erwartet, aus der Kindheit und Jugend. Ich sah vor mir plötzlich ein kleines unglückliches um-sich-schlagendes Mädchen mit vielen Bedürfnissen und empfand eine Art Mitgefühl für dieses und für ihr "Erwachsenen-Ich". Ihr Verhalten war und ist ganz offensichtlich eine Schutzmaßnahme für das tief verletzte "Schatten-Kind" in ihr.

Es war unbeschreiblich, mit welcher Leichtigkeit, guten Gefühlen und Gedanken es mir fast blitzartig möglich war, dieser Frau ihre Gräueltaten und Worte zu vergeben; ihr endlich alles erdenklich Gute zu wünschen und sie in meinen Gedanken los zulassen. 

Aus Verzweiflung, Unverständnis, Wut, förmlichen Hassgefühlen und Frust-Gedanken dieser Frau gegenüber wurden Verständnis und tiefes Mitgefühl. Ich fand mein eigenes inneres Gleichgewicht wieder und spürte mit jedem weiteren Tag eine innere Ruhe und Ausgeglichenheit, wie seit Jahren nicht mehr. Auch wenn ich heute noch mit der ein oder anderen Attacke seitens der Ex-Partnerin leben muss, beeinflusst es mich nicht mehr. Ich lasse mir meinen inneren Frieden nicht mehr nehmen. 

Heute ist mir bewusst, wie wichtig Vergebung auch im Alltag ist. Sei es der Autofahrer, der mir meine Vorfahrt klaut, die Dame an der Kasse im Supermarkt, die sich vordrängelt oder irgendein anderer Grund, der mich wütend macht. Heute versuche ich Verständnis für den Anderen aufzubringen, um ihm auf diesem Weg sein Verhalten direkt zu vergeben und meine negativen Gefühle im Bauch aufzulösen beziehungsweise gar nicht erst entstehen zu lassen. Mein erster gut funktionierender Gedanke ist immer:

"Du bist, wie du bist und du hast ganz bestimmt sehr gute Gründe für dein derartiges Verhalten, da bin ich mir sicher. Also dulde ich, in friedlichen Gedanken, dein Verhalten, in dem Wissen, du kannst nicht anders handeln, wie du es gerade tust."

VERGEBUNG BRINGT EIN wirklich WAHRES GEFÜHL DER INNEREN RUHE UND DES FRIEDENS MIT SICH.

Ja, auch mir gelingt das nicht immer und ich erwische mich manchmal mit rasender Wut im Bauch, doch Übung macht bekanntlich den Meister und wir alle sind nicht unfehlbar. Doch ich bin überzeugt, jeder hat seine (schlimmen) Gründe für sein Verhalten und ich verurteile meine Mitmenschen nicht für dafür oder behandle sie deshalb schlecht.

Vergebung ist nicht nur im Rahmen deiner Mitmenschen sehr wichtig, sondern vor allem auch bei dir selbst. Du sollst nicht nur deinen Mitmenschen vergeben, viel mehr sollst du auch dir und deine Fehler verzeihen. Hierzu habe ich das wichtige Kapitel Vergib dir selbst geschrieben. 


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