Vergib dir selbst

Deinen Mitmenschen zu vergeben ist, in meinen Augen, ein unabdingbarer Teil für wirklich wahrhaftige innere Ruhe und Lebensfreude in deinem Leben.

Sich selbst zu vergeben ist die Seelen-Heilung schlechthin und leider meist umso schwieriger. Denn dem anderen zu vergeben kann manchmal durch eine Entschuldigung desjenigen positiv unterstützt werden. Aber sich selbst vergeben? Vor allem, wenn du jemandem weh getan hast, dich dafür aufrichtig bei ihm oder ihr entschuldigst hast, dir diese(r) aber partout nicht verzeihen will und dir bis heute schwere Schuldgefühle auflädt? (Auch hier liegt es an dir, diese "Schuld" auf dich zu nehmen oder zu lernen, dich selbst freizusprechen.)

Ich habe in meinem Leben leider auch einige Fehler gemacht und andere Menschen sehr verletzt und Unrecht getan. Einige dieser Menschen verzeihen mir das (vielleicht zurecht) bis heute nicht. Doch inzwischen habe ich auch hier gelernt: Das ist nicht meine Baustelle und ich lasse mir die schwere Schuld nicht mehr aufladen. 

Auf meinem langen Weg habe ich gelernt, mir selbst zu verzeihen, gerade dann, wenn mein Mitmensch mir nicht verzeiht und bis heute Groll gegen mich hegt und pflegt. 

Ich empfand die Selbst-Vergebung ehrlicherweise besonders schwierig und dies war der längste Teil bei meiner ganzheitlichen Heilung und Gesundheit. 

Ich wertete mich in meiner ganzen Person ab, anstatt bloß mein fehlerhaftes Verhalten. Genau so benehmen sich auch bis heute die besagten Personen, die mir nicht verzeihen. Sie verurteilen mich als Menschen und nicht bloß mein Verhalten. Lange hatte ich mich dieser Verurteilungen angenommen und sehr darunter gelitten. Ich hielt mich für einen bösen, gemeinen, verletzenden Menschen, der es nicht verdient hatte, glücklich und gesund auf dieser Welt zu leben. 

Es ging irgendwann sogar soweit, dass ich begann, mich selbst zu bestrafen.

Nein, ich verletzte mich nicht mit Absicht selbst oder ritzte meine Arme (wobei ich heute meine Neurodermitis als selbstauferlegte Strafe ansehe, denn ich habe mich monatelang bis aufs Blut gekratzt und mir damit natürlich selbst weh getan). Ich bestrafte mich mit durchweg negativen Gedanken, Gefühlen und einer Menge Alkohol! Dieser diente vor allem der Betäubung meiner Gefühle, der Zerstörung meiner Gesundheit und der Beziehung zu meinem Mann (Gott sei Dank ist mir das nicht gelungen). Denn mein Mann verabscheut Alkohol, da er mit einer alkoholkranken Mutter aufwuchs, was seine Kindheit und Jugend leider sehr negativ beeinflusst hatte. 

Dem lieben Gott sei dank, kam auch hier der Tag, an dem ich beschloss die zerstörerische Selbstbestrafung zu beenden. Sie, die anderen, würden mir ja doch nicht verzeihen. Aber es nutzte meinem Mann, meinen Kindern und vor allem mir am wenigstens, wenn ich mich weiter folterte. 

Auch hier entschied ich mich, eine Weile in den Schuhen des Anderen zu gehen. In diesem Fall also: in meinen eigenen Schuhen. Denn ich hatte mich nie selbst hinterfragt oder versucht mein Verhalten zu verstehen. Ich hatte es lediglich als "böse" und "unmenschlich" hingenommen.

Ich befasste mich intensiv mit mir selbst und meiner Kindheit. Hier half mir unter anderem natürlich eine gute Psychotherapie wirklich weiter.

Zuhause las ich viel in meinen alten Tagebüchern. Ich schreibe seit ich neun Jahre alt bin. Ich begann, mein Verhalten und meine Gefühle zu verstehen. Ich arbeitete über viele Monate hinweg meine Kindheit, Jugend und auch mein Leben als junge Erwachsene im Rahmen einer einjährigen Rehabilitation auf und veränderte dadurch meine tief verankerten negativen Glaubenssätze in Positive. Auch hier notierte ich mir passende positive Affirmationen, welche ich bis heute täglich lese und gedanklich verankere. Nähere Informationen über die Glaubenssätze findest du hier.

Ich erkannte und besser noch, ich spürte den Unterschied zwischen meinem Verhalten und meinem Wert als Menschen. Ich trennte die Spreu vom Weizen und lernte, mich als Menschen wieder zu mögen und später sogar zu lieben. Ich verzieh mir mein altes Verhalten und schwor mir selbst die ewige Liebe, auch wenn ich in Zukunft Fehler machen sollte. Dies ist der Schlüssel zur Selbst-Vergebung. Ich unterschied zwischen meinen Verhalten und meinem Wert als Person. Ich stehe zu mir, egal wie viele dumme Fehler ich in Zukunft noch machen werde. 

Weiter erkannte ich auch, dass es nicht wichtig war, dass meine Mitmenschen mir immer alles verzeihen. Denn um das zu können, müssten sie mein Verhalten von mir dem Ina-Menschen, trennen und sich selbst erst einmal reflektieren. Dies ist für solche Personen, wie ich merke, eine scheinbar unüberwindbare Aufgabe (aber auch hier: nicht meine Baustelle!). Und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin: Ist mir ein Mensch, der mir nicht verzeihen kann oder will, wichtig genug, um mich weiter mit ihm zu beschäftigen und weiterhin Teil seines Lebens sein zu wollen? Ganz Gewiss nicht!


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